Einfälle Nr. 143 | 3. Quartal 2017

Liebe Leserin, lieber Leser – liebe Freunde und Förderer,

Epilepsien gelten als gut behandelbare Krankheiten, sagen die einen. Mit Epilepsie lässt es sich gut leben, sagen die anderen. Beides ist richtig – aber vergessen wir bei so allgemein formulierten Aussagen nicht diejenigen, deren Epilepsie nicht gut behandelbar ist, die trotz vieler Behandlungsversuche nicht anfallsfrei werden, deren Leben erheblich von ihrer Erkrankung beeinträchtigt ist?

Das Motto des diesjährigen Tages der Epilepsie stellt diejenigen in den Mittelpunkt, denen therapeutisch bisher nicht ausreichend geholfen werden konnte (immerhin fast 200.000 Menschen) und denen die Anfälle immer wieder „einen Strich durch die Rechnung“ machen. Was können, was müssen wir tun, damit es auch ihnen gelingt, mit ihrer Epilepsie ein „gutes Leben“ zu führen – und  was können wir als Selbsthilfeorganisation dazu beitragen?

Dazu nur ein Gedanke: Heute – an dem Tag, an dem ich diese Zeilen schreibe – ist Wahlsonntag. Einige gehen nicht wählen, weil sie denken, „die da oben“ machen doch sowieso, was sie wollen. Andere wählen eine Partei, die schnell die Schuldigen an allen möglichen Problemen gefunden hat und die ihre eigenen Forderungen nicht so ernst nimmt, wenn es um ihre Spitzenkandidaten geht. Wieder andere gehen wählen, denken aber, dass es eigentlich zu wenig ist, ab und zu mal ein oder zwei Kreuze zu machen.

Demokratie bedeutet aber eben nicht, ab und zu wählen zu gehen und auch nicht, vermeintlich einfache Antworten auf komplizierte Fragen zu geben. Demokratie bedeutet vielmehr, sich an der Gestaltung der Gesellschaft zu beteiligen, seine eigenen Interessen zu vertreten und gemeinsam mit denen, die andere Interessen haben, einen fairen Kompromiss zu suchen. Das ist anstrengend, nervenaufreibend und manchmal auch frustrierend – aber nur so geht es.

Das bedeutet für uns: Nur wenn wir unsere Interessen auf politischer und gesellschaftlicher Ebene deutlich machen und vertreten, kann sich etwas verändern (wir sollten uns jedoch vor einfachen Schuldzuschreibungen und vermeintlich guten Freunden schützen). Deshalb ist der Tag der Epilepsie so wichtig: Wir gehen damit mit unseren Anliegen an die Öffentlichkeit und stellen diese zur Diskussion – und wir machen es gemeinsam. Denn, um eine alte Weisheit zu zitieren: Nur gemeinsam sind wir stark!

In diesem Sinne,

Ihr/Euer Norbert van Kampen