Einfälle Nr. 145 | 1. Quartal 2018

Liebe Leserin, lieber Leser – liebe Freunde und Förderer,

im vorliegenden Heft beschäftigen wir uns mit epileptischen und nicht-epileptischen Anfällen im Kindes- und Jugendalter. Im Mittelpunkt stehen dabei die ketogene Diät sowie die neuropsychologische Diagnostik und psychotherapeutische Behandlung. Bei der ketogenen Diät geht es uns diesmal nicht so sehr darum, ihre Funktionsweise zu erläutern (vgl. dazu den Beitrag von Dr. Panzer in einfälle 139/140), sondern vielmehr um die Beschreibung der Rahmenbedingungen, die für die Durchführung gegeben sein sollten. Darüber hinaus eröffnet die genetische Forschung bei bestimmten seltenen Epilepsieformen des Kindesalters neue Perspektiven – aber ich möchte den Artikeln in vorliegendem Heft nicht vorgreifen.

Unabhängig davon ist es mir ein persönliches Anliegen deutlich zu machen, für wie wichtig ich eine klare politische Positionierung der Epilepsie-Selbsthilfe gerade in diesen Zeiten halte. Wenn sich die CDU mit der CSU mal wieder darum streitet, ob „der Islam“ nun zu Deutschland gehört oder nicht – und gleichzeitig betont wird, keinen Menschen aufgrund seiner Religionszugehörigkeit diskriminieren zu wollen; wenn unser Gesundheitsminister davon spricht, dass Hartz IV nicht Armut bedeutet und damit suggeriert, dass man doch mit Hartz IV ganz gut leben könne; wenn die AfD gegen Ausländer hetzt und gleichzeitig beleidigt ist, wenn sie jemand als rassistisch bezeichnet – dann läuft etwas grundsätzlich falsch.

Was hat das mit uns – mit der Epilepsie-Selbsthilfe – zu tun? Ich finde, das liegt auf der Hand. Derzeit findet in Deutschland ein Prozess der Entsolidarisierung statt. Bestimmte Gruppen von Menschen (Stichwort: Flüchtlinge) werden ausgegrenzt; diejenigen, die anderer Meinung sind (Stichwort: Lügenpresse), werden diskreditiert. Solche Prozesse, das zeigt gerade die deutsche Geschichte allzu deutlich, wenden sich sehr schnell auch gegen chronisch kranke und behinderte Menschen.

Wenn wir also wollen, dass Menschen mit Epilepsie in Deutschland weiterhin gut leben können; wenn wir wollen, dass Vorurteile weiterhin abgebaut und Menschen mit Epilepsie nicht mehr diskriminiert werden und die Unterstützung bekommen, die sie zur Bewältigung ihrer Erkrankung gebrauchen – dann müssen wir uns konsequent für eine Gesellschaft einsetzen, die Menschen in ihrer Vielfalt akzeptiert und annimmt – denn nur dann werden wir in diesem Land auch weiterhin gut leben können.

In diesem Sinne

Ihr/Euer Norbert van Kampen