Studium

Sie haben einechronische Krankheit – zum Beispiel Epilepsie- und wollen studieren? Sie sollten wissen, dass Sie grundsätzlich alles studieren können, was sie möchten – vorausgesetzt, sie haben die Hochschulzugangsberechtigung. Von Seiten der Hochschulen darf es keine Einschränkungen bei der freien Studienwahl für Sie geben.

Allerdings sollten Sie sich überlegen, welche Berufschancen Sie mit dem gewählten Studienfach haben. Art und Häufigkeit der epileptischen Anfälle können diese u.U. beeinträchtigen; z.B. kann es nach dem Medizinstudium Probleme mit der Approbation (der Zulassung als Arzt) geben.

Sie dürfen aber nicht mit diesem Argument vom gewählten Studiengang ausgeschlossen werden, der Ihnen in der Regel den Zugang zu unterschiedlichen Berufsfeldern eröffnet.

Hier können Sie sich unsere ausführliche Informationsbroschüre und hier unser Informationsfaltblatt zum Thema Epilepsie und Studium herunterladen.

Härtefallantrag

Unter bestimmten Voraussetzungen können behinderte/chronisch kranke Menschen durch einen Härtefallantrag unabhängig von Abschlussnote und Wartezeit zum Studium zugelassen werden. Sie können sich darüber sich bei den Behindertenbeauftragten der Hochschule, an der Sie studieren wollen, beraten lassen. Das Deutsche Studentenwerk hat auf seiner Webseite ein Verzeichnis der Behindertenbeauftragten der verschiedenen Hochschulen eingestellt, wo weitere Informationen zu finden sind.

Verbesserung der Note und/oder Wartezeit

Bei längerer Krankheit, schulischen Ausfallzeiten und infolgedessen Verschlechterungen der schulischen Leistungen kann als Nachteilsausgleich eine Verbesserung der Durchschnittsnote in Betracht kommen.

Wer infolge krankheitsbedingter Fehlzeiten das Studium erst verspätet beginnen kann – weil er z.B. ein Schuljahr wiederholen musste – kann als Nachteilsausgleich eine entsprechende Verbesserung der Wartezeit beantragen.

Die Bewerbungschancen können durch diese Sonderanträge oder den Härtefallantrag verbessert, aber in keinem Fall schlechter werden.

Nachteilsausgleiche

Im Hochschulrahmengesetz ist festgelegt, dass die Hochschulen dafür sorgen müssen, dass behinderte/chronisch kranke Studierende nicht benachteiligt werden und dass sie die Angebote der Hochschule möglichst ohne fremde Hilfe in Anspruch nehmen können. Außerdem müssen Prüfungsordnungen die besonderen Belange von Studierenden mit Behinderung/chronischer Krankheit berücksichtigen.

Um den Prüfungsnachteilsausgleich zu beantragen, sollte rechtzeitig vor der Prüfung ein schriftlicher Antrag an den Vorsitzenden des zuständigen Prüfungsausschusses gestellt werden. Es handelt sich beim Nachteilsausgleich um einen Rechtsanspruch, nicht um ein Entgegenkommen der Dozenten oder des Prüfungsamtes. Bei der Antragstellung sind die Beauftragten für behinderte Studierende behilflich.

Krankmeldung bei Prüfungen

Ein krankheitsbedingter kurzfristiger Rücktritt von einer Prüfung muss dem Prüfungsamt unverzüglich mitgeteilt werden. Zudem ist ein ärztliches Attest vorzulegen, das die Prüfungsunfähigkeit nachvollziehbar unter Nennung der Diagnose bescheinigt. Ein notwendiger Rücktritt we­gen einer akut auftretenden krankheitsbedingten Leistungsbeeinträchtigung (z.B. eines epileptischen Anfalls) während einer Prüfung (Prüfungs­abbruch) muss ebenfalls unverzüglich – d.h. vor Ende der Prü­fung – geltend gemacht und unmittelbar im An­schluss ärztlich bestätigt werden. Man sollte also die Prüfung abbrechen, sich krank mel­den und sofort den Arzt aufsuchen. Zu einem späteren Zeitpunkt kann die Beeinträchtigung meistens nicht mehr geltend gemacht werden!

Eingliederungs- oder Integrationshilfe

Viele Studierende mit einer chronischen Krankheit/Behinderung benötigen neben technischen Hilfen auch persönliche Assistenz. In den meisten Bundesländern kann man diese über die Eingliederungshilfe nach den §§ 53 und 54 SGB XII bei den zuständigen Sozialleistungsträgern beantragen.

In Berlin beispielsweise kann ein großer Teil dieser Leistungen direkt beim Studentenwerk (Beratungsstellen für behinderte und chronisch kranke Studierende) beantragt werden. Die Vergabe der Integrationshilfen (z.B. Assistenz, technische Hilfen, Gebärdendolmetscher) haben die Hochschulen dem Studentenwerk übertragen. Informationen dazu finden Sie auf der Webseite des Studentenwerks Berlin.

Studienassistenz

Studienassistenz soll die behinderungs-/krankheitsbedingt notwendige Unterstützung im Studium bieten. Sie wird in der Regel von Kommiliton/-innen aus dem eigenen Semester geleistet. Sie können z.B. Mitschriften anfertigen oder sind bei der Nach- und Vorbereitung des Lehrstoffs behilflich. Eine geeignete Studienassistenz wählt man am besten selbst aus. Bei Bedarf helfen die Behindertenbeauftragten an den Hochschulen.

Unterstützung nach dem Studium

Oftmals ist es gar nicht so einfach, nach Beendigung des Studiums einen geeigneten Arbeitsplatz zu finden. Die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit bietet schwerbehinderten Akademikern hier kompetente Unterstützung an.

Weitere Informationen

Die Deutsche Epilepsievereinigung hat zum Thema eine Broschüre herausgegeben, die zum Selbstkostenpreis von 5,– € (incl. Versandkosten) angefordert werden kann. Darüber hinaus können Kontakte zu Menschen mit Epilepsie hergestellt werden, die derzeit studieren oder bereits ein Studium abgeschlossen haben.

Die Informations- und Beratungsstelle Studium und Behinderung des Deutschen Studentenwerks, die regionalen Beratungsstellen der Studentenwerke und die Behindertenbeauftragten Ihrer Hochschule geben weitere Informationen bzw. stehen für Beratungsgespräche zur Verfügung. Hier finden Sie Informationen und das Verzeichnis der Ansprechpartner.