Diagnostik

Tritt erstmalig ein Anfall auf, sollte zunächst vom Facharzt geprüft werden, ob es sich dabei um einen epileptischen Anfall oder ein anderes behandlungsbedürftiges Ereignis gehandelt hat. Nicht jedes anfallsartig auftretende Ereignis ist ein epileptischer Anfall.

Auch nach einem ersten epileptischen Anfall liegt nicht zwangsläufig eine Epilepsie vor; er kann auch Symptom einer anderen Erkrankung – z.B. einer Tumorerkrankung, einer Entzündung im Gehirn – sein. Auch wenn keine Ursache für den Anfall erkennbar ist, muss dies nicht zwangsläufig auf eine Epilepsie hindeuten; es kann sich auch um einen einmalig auftretenden epileptischen Anfall (Gelegenheitsanfall) handeln, der nicht die Diagnose einer Epilepsie rechtfertigt.

Eine behandlungsbedürftige Epilepsie liegt dann vor, wenn dem ersten epileptischen Anfall weitere folgen oder wenn die Diagnostik Hinweise auf eine beginnende Epilepsie ergibt. Erst wenn die Diagnose einer Epilepsie gestellt und klar ist, um welche Art der Epilepsie es sich handelt, sollte mit der medikamentösen Epilepsiebehandlung begonnen werden

Treten zwei Jahre nach Behandlungsbeginn immer noch Anfälle auf oder haben die Medikamente gegen die Epilepsie erhebliche Nebenwirkungen, sollte dies ein Anlass sein, sich eine zweite Meinung bei einem in der Epilepsiebehandlung erfahrenen Facharzt (z.B. in einer Epilepsieambulanz) einzuholen.

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Die Epilepsiediagnostik ist ein Prozess, bei dem verschiedene Untersuchungen durchgeführt und deren Ergebnisse aufeinander bezogen werden müssen. Dies ist Aufgabe von einem in der Epilepsiebehandlung erfahrenen Facharzt, der dabei auf die aktive Mitarbeit des/der Betreffenden angewiesen ist.

Folgende Untersuchungen sind notwendig:

Beschreibung der Anfälle

Die Anfallsbeschreibung ist nach wie vor das A und O der Epilepsiediagnostik. Was spürt der/die Betreffende selbst vor, während und nach dem Anfall? Da häufig Teile des Anfalls oder der ganzen Anfall nicht bewusst miterlebt werden, ist eine möglichst gute Fremdbeschreibung – z.B. durch Angehörige, Freunde, Arbeitskollegen – unverzichtbar. Hilfreich kann dabei die Aufzeichnung einer kurzen Videosequenz mit dem Handy sein. Wenn nötig, kann die Anfallsbeschreibung auch durch eine Videobeobachtung in einer spezialisierten Klinik – z.B. einem Epilepsiezentrum – im Rahmen eines stationären Aufenthalts ergänzt werden. Sind bereits mehrere Anfälle aufgetreten, sind Angaben zur Häufigkeit und tageszeitlichen Verteilung der Anfälle wichtig.

Klärung der Vorgeschichte (Ätiologie)

Liegt bei dem/der Betreffenden eine Epilepsie in der Familie vor? Wie sind Schwangerschaft, Geburt und frühkindliche Entwicklung verlaufen? Welche Erkrankungen und Unfälle mit Schädel-Hirn-Verletzungen hat es gegeben?

Insbesondere ist die Beschreibung des ersten Anfalls mit seinen besonderen Begleitumständen wichtig. Besteht die Epilepsie schon länger, ist es für den Arzt wichtig zu wissen, ob die Anfälle immer gleich ausgesehen haben oder ob es Änderungen in deren Ablauf gegeben hat.

Medikamentenanamnese

Bei Menschen mit Epilepsie, die schon über Jahre behandelt werden, ohne dass dauerhaft Anfallsfreiheit erreicht wurde, ist wichtig zu wissen, welche Medikamente bereits eingenommen wurden. Bei welchem Medikament traten weniger Anfälle und/oder Nebenwirkungen auf? Gab es Medikamente, die den Ablauf der Anfälle günstig beeinflusst haben? Sind allergische Hautreaktionen oder sonstige Unverträglichkeiten aufgetreten?

Elektroenzephalographie (EEG)

Beim EEG handelt es sich um eine Methode zur Aufzeichnung der elektrischen Aktivität an der Hirnoberfläche. Für sich allein betrachtet ist das EEG wenig aussagekräftig: Weder bedeutet ein negativer Befund, dass keine Epilepsie vorliegt; noch lässt der Nachweis epilepsietypischer Veränderungen im EEG für sich allein die Diagnose einer Epilepsie zu. In der Gesamtschau mit den anderen Befunden gibt das EEG jedoch wesentliche Hinweise und ist daher für die Epilepsiediagnostik unverzichtbar.

Magnetresonanztomographie (MRT)

Mit dem MRT (auch: Kernspintomogramm) werden hirnorganische Veränderungen sichtbar gemacht, die Hinweise auf die Ursache der Epilepsie bzw. der epileptischen Anfälle geben können. Im Rahmen der Epilepsiediagnostik ist das MRT für sich allein betrachtet wenig aussagekräftig. Es gibt jedoch in der Gesamtschau wichtige Hinweise und ist daher für die Epilepsiediagnostik unverzichtbar.

Das Computertomogramm (CT) hat in bestimmten Fällen seine Berechtigung, kann aber auf keinen Fall ein MRT ersetzen.