Einfälle Nr. 175-176 | 3./4 Quartal 2025

Liebe Leserinnen und Leser,

erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Meine Rente hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt. Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber die meisten Menschen denken wohl, dass dann endlich Zeit ist für Dinge, die immer schon mal gemacht werden wollten, dass der Alltagsstress weniger wird, dass das frühe Aufstehen vorbei ist. Aber die meisten werden nur eine vage Vorstellung davon haben, was sie im Rentnerdasein erwartet. Warum ich das hier schreibe?

Ihr/Sie, werdet es ahnen: Weil ich seit einem Jahr Rentner bin und mir für dieses erste Rentenjahr viel zu viel vorgenommen habe. Das ist auch der Grund dafür, warum dieses Heft als Doppelausgabe erscheint – an unserem Redaktionsteam hat es nicht gelegen, die haben wie gewohnt geliefert. Ich aber bin bei allem, was ich so treibe, nicht mehr hinterhergekommen und irgendwann war klar, dass das einfälle im III. Quartal nicht erscheinen kann. Sorry dafür!

Dafür werdet ihr/werden Sie dieses Heft aber auf jeden Fall noch in diesem Jahr erhalten, vielleicht ja sogar noch vor dem Weihnachtsfest. Jetzt, wo ich dieses Editorial schreibe, haben wir den 27. November und wenn alles klappt, geht das Heft am 01. Dezember in Druck. Auch einen Wand-Kalender wird es wieder geben. Es braucht also keiner, wie in diesem Jahr, im Januar überlegen, ob er oder sie sich einen Wandkalender kauft oder noch auf die einfälle wartet. Und im kommenden Jahr? Ich hoffe, dass mein Zeitmanagement als Rentner jetzt besser wird und einfälle dann zu den angekündigten Terminen erscheinen. Die Hoffnung stirbt zuletzt, wie einmal ein weiser Mann (oder war es eine Frau?) gesagt hat.

Als wir uns Ende 2024 die Schwerpunktthemen für einfälle überlegt und entschieden haben, das Thema „Sexualität, Partnerschaft und Kinderwunsch“ als Schwerpunkt für dieses Heft zu nehmen, kam mir ein Satz in den Sinn, den ich schon öfter in diesem Zusammenhang gehört habe und der in etwa so lautet: „Ist ja schön und gut, dass ihr da jetzt drüber redet, aber das Thema ist ganz schön weit weg von mir. Sagt mir mal lieber, wie ich mit meiner Epilepsie einen Partner oder eine Partnerin finde!“ Diese Erwartung können wir mit diesem Heft natürlich auch nicht erfüllen, aber lasst euch gesagt sein: Dieses Problem habt nicht ihr allein. Schließlich leben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Deutschland 20,5% der Bevölkerung allein (was nicht heißt, dass sie keinen Partner oder keine Partnerin haben) – und nicht alle diese Menschen haben eine Epilepsie. (In Irland lebten 2024 nur 8,1% allein – also nach Irland auswandern …?). Warum also dann dieser Schwerpunkt?

Weil eben doch viele Menschen – auch mit einer Epilepsie – in einer Partnerschaft leben und weil es auf der anderen Seite viele Singles gibt, die damit ganz zufrieden sind – auch Singles ohne Epilepsie. Und weil Menschen mit Epilepsie genauso vielfältig sind wie Menschen ohne Epilepsie, berichten in diesem Heft sowohl Familien mit Kindern, Paare ohne Kinder und Singles von ihren Erfahrungen. Viel Spaß beim Lesen!

Weil jetzt bald Weihnachten ist, werde ich mich in diesem Editorial mal nicht mit den drängenden Problemen beschäftigen, vor denen wir alle stehen: Die Folgen des Klimawandels (Ja, den gibt es tatsächlich!), den hohen Energiekosten in Deutschland (Atomenergie ist keine Lösung, sondern bei weitem die teuerste Energie!), der Migrationsdebatte (Nein, Herr Dobrindt: die Migranten sind nicht an allem schuld!), dem allgegenwärtigen Rechtsruck nicht nur in Deutschland (Nazis haben noch nie dazu beigetragen, dass irgendwas besser wird!). Das bedeutet aber nicht, dass wir uns in diesem Heft nicht damit beschäftigen, denn das, was der eitle Faktenleugner in den USA so treibt, kann auch uns in Deutschland drohen und die Folgen der Corona-Pandemie betreffen auch uns alle.

Aber es gibt auch Positives zu berichten: Der Tag der Epilepsie war wieder ein voller Erfolg, das Universitätsklinikum Bonn ist mit einen tollen Epilepsie-Podcast am Start, es gab viele spannende Seminare der DE. In diesem Zusammenhang nochmal die Bitte: Wir wissen, dass viele in ihrem Umfeld, in ihren Selbsthilfegruppen, in den Landesverbänden eine tolle Arbeit machen. Wir wissen, dass viele mit Epilepsie ein erfülltes und zufriedenes Leben führen. Lasst und daran teilhaben! Gebt anderen die Möglichkeit, von euren Erfahrungen zu profitieren! Schreibt darüber etwas für die einfälle! Auch kulturelle Beiträge, Bilder oder Fotos veröffentlichen wir gerne. Wir freuen uns auf Ihre/Eure Zuschriften!

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Start in das neue Jahr 2026!

Euer/Ihr

Norbert van Kampen

P.S. Wir haben endlich auch mal gemerkt, dass das Rätsel auf den Bunten Seiten zu schwer ist und es etwas leichter gemacht. Viel Spaß beim Lösen!

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