Liebe Leserinnen und Leser,
30 Jahre gibt es ihn nun schon, den Tag der Epilepsie, der 1996 zusammen mit der heutigen Deutschen Gesellschaft für Epileptologie ins Leben gerufen wurde. Wer hätte damals gedacht, dass es diesen Tag, der zu einem festen Bestandteil der Epilepsie-Community geworden ist, so lange geben wird. Aber wie es so ist mit Jubiläen: Sie geben Grund zur Freude und zum Feiern, sollten aber immer auch Anlass sein, kritisch zurück und nach vorne zu schauen. Haben wir das Ziel des Tages der Epilepsie, Epilepsie braucht Offenheit, tatsächlich erreicht – oder ist Epilepsie immer noch eine Krankheit, über die nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird? Wie hat sich die Wahrnehmung von Menschen mit Epilepsie in der Öffentlichkeit, wir ihre Behandlung und soziale Situation in den vergangenen 30 Jahren verändert – und was hat der Tag der Epilepsie dazu beigetragen? Was ist zukünftig zu tun?
Wir haben die Autorinnen und Autoren der Beiträge im Schwerpunkt dieses Heftes, die fast alle 1996 schon in der Epilepsie-Community aktiv waren, gebeten, aus ihren jeweils unterschiedlichen und durchaus subjektiven Perspektiven zu schildern, wie sie die Entwicklung des Tages der Epilepsie erlebt haben und was sie sich von ihm in Zukunft erhoffen. Die Beiträge sind etwas länger geworden, als unsere Leserinnen und Leser das gewohnt sind, aber sie sind – so hoffen wir – interessant und spannend zu lesen. Viel Spaß bei der Lektüre!
Als es 1902 in Hanoi eine Rattenplage gab (Was will uns der Autor denn jetzt damit sagen???), so wird berichtet, setzte die dortige Verwaltung eine Prämie für jeden abgegebenen Rattenschwanz aus. Die Ratten vermehrten sich allerdings eher noch mehr, nur liefen auffällig viele Ratten mit einem abgeschnittenen Schwanz herum; ein klassisches Beispiel für Fehlanreize. Als der Tankrabatt (damit bin ich wieder im hier und heute) erstmalig eingeführt wurde, galt ein Preis von über 2 Euro je Liter Diesel als deutlich zu hoch. Inzwischen gilt als Erfolg, wenn der Preis mit einem erneuten Rabatt auf 2,40 Euro oder 2,30 Euro gedrückt werden kann. Mit dem Tankrabatt die Preise zu stabilisieren, funktioniert also offensichtlich nicht.
Abgesehen davon, dass durch die steigenden Transportkosten (LKW fahren mit Diesel) die Preise für alle – auch für Menschen mit Epilepsie – steigen, erhöhen sich auch die Kosten für ambulante Pflegedienste, für Fahrdienste für Menschen mit Behinderung, für den ÖPNV (auch Busse fahren mit Diesel) etc. Und noch was erhöht sich: Die Gewinne der Mineralölkonzerne. Und wer zahlt? Wir alle – denn wir sind es, die die fast vier Milliarden Euro, die der Tankrabatt bis Ende des Jahres gekostet haben wird, über unsere Steuern und Einsparungen im sozialen Bereich finanzieren. Wäre es nicht besser, langfristig die Elektromobilität auszubauen und kurzfristig Fahrdienste, ambulante Pflegedienste, den ÖPNV und weitere gezielt zu entlasten und das durch eine Übergewinnsteuer zu finanzieren?
Das ist nur ein Beispiel für vieles, was in der Politik gerade nicht rund läuft. Und wie reagieren die Menschen darauf? Indem sie die AfD wählen. Es ist wie beim Tankrabatt: Wenn die derzeitige Regierung die Probleme nicht angeht, wird halt eine Partei gewählt, die dazu noch viel weniger in der Lage ist – und offensichtlich lügt, wie gedruckt. Nur zwei Beispiele: Während die AfD in Sachsen-Anhalt gegen Menschen mit unterschiedlichen sexuellen Identitäten hetzt, sagt die Spitzenkandidatin der AfD in Berlin, dass ihre Partei nichts gegen diese Menschen habe („Soll doch jeder so leben, wie er möchte.“). Der Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt verkündet live im ZDF-Morgenmagazin, dass er nur Ministerpräsident werden will, wenn seine Partei die absolute Mehrheit erhalte. Wenige Tage nach der Wahl wird behauptet, dass er das gar nicht gesagt habe.
Es gäbe durchaus Möglichkeiten, der AfD wirkungsvoll Paroli zu bieten – aber von den dazu im Grundgesetz vorgesehenen Möglichkeiten wird aus den unterschiedlichsten Gründen leider kein Gebrauch gemacht. Stattdessen wird lieber von den selben Leuten gegen die Partei Die Linke gehetzt, weil der Chef des berüchtigten Remmo-Clans in Berlin bei deren öffentlicher Wahlparty aufgetaucht ist (und wieder herauskomplementiert wurde), die nichts dagegen hatten, dass dieselbe Person ein Jahr früher bei einer von ihnen organisierten Führung durch das Berliner Abgeordnetenhaus spazierte.
Bleibt nur zu hoffen – und da bin ich leider nicht sehr optimistisch – dass die derzeitige Regierung endlich zur Besinnung kommt; dass sie auf der einen Seite eine bessere Politik für alle Menschen in diesem Lande macht und auf der anderen Seite endlich offensiv gegen die Bedrohung unserer Demokratie durch die AfD vorgeht. Denn sollte diese Partei unser Land regieren, hätte das katastrophale Folgen für alle Menschen, die nicht so sind und nicht so denken, wie diese Partei es gerne hätte.
In diesem Sinne,
Euer/Ihr
Norbert van Kampen



